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LiAB – Bildung im Arbeitsbereich. Lebenslanges Lernen in sächsischen WfbM (2022–2024)

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Das Modellprojekt „LiAB – Bildung im Arbeitsbereich – Lebenslanges Lernen in sächsischen WfbM“ (01/2022–12/2024) entwickelte und erprobte Strukturen für berufliche Weiterbildung im Arbeitsbereich der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM).

 

Ziel war es, lebenslanges Lernen systematisch im Arbeitsalltag zu verankern, die Teilhabechancen zu stärken und Übergänge in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen.

 

Ausgangslage

Vor Projektbeginn waren Bildungsangebote im Arbeitsbereich überwiegend unsystematisch, kleinteilig und stark von einzelnen Werkstätten abhängig organisiert. Häufig wurden interne Maßnahmen durchgeführt, die mit hausinternen Bescheinigungen, jedoch ohne einheitliche Struktur oder externe Zertifizierung abgeschlossen wurden.

 

Gleichzeitig bestand ein deutlicher Bedarf an:

  • strukturierten Bildungsangeboten 

  • beruflicher und persönlicher Weiterentwicklung 

  • digitalen Lernformaten 

  • verbindlichen Rahmenbedingungen für Weiterbildung im Arbeitsbereich 

Projektaufbau

Das Projekt lief von 2022 bis 2024 und gliederte sich in drei Phasen:

  • Phase 1: Analyse und Konzeptentwicklung
    Bestandsaufnahme, Zielgruppenbefragung und Entwicklung von Modellansätzen 

  • Phase 2: Praktische Erprobung
    Umsetzung verschiedener Bildungsmodelle in 12 Pilot-WfbM 

  • Phase 3: Auswertung und Transfer
    Wissenschaftliche Analyse, Bewertung und Handlungsempfehlungen 

In der ersten Phase wurden bestehende Weiterbildungsangebote systematisch erfasst und ausgewertet sowie eine landesweite Zielgruppenbefragung durchgeführt.

 

Die Ergebnisse zeigten:

  • einen hohen Bedarf an beruflicher Weiterbildung im Arbeitsbereich 

  • eine deutliche Übereinstimmung zwischen Beschäftigten und Werkstattleitungen 

  • zusätzliches Interesse an Persönlichkeitsentwicklung, Schlüsselkompetenzen und digitalen Lernangeboten 

Auf dieser Grundlage wurden geeignete Weiterbildungsmodelle identifiziert, ein projektbegleitender Beirat gegründet und Pilotwerkstätten ausgewählt.

 

Erprobte Bildungsansätze

Im Projekt wurden drei zentrale Modelle getestet:

  • PRAXISBAUSTEIN – strukturierte Qualifizierung im Arbeitsprozess 

  • NBS – Neue Bildungssystematik – modulare, personenzentrierte Bildungsstruktur 

  • didab – digitale, multimediale Lernplattform 

Besonders wirksam war die Kombination aus strukturierten, praxisnahen und digitalen Lernformen.

 

In der zweiten Phase wurden die Modelle in 12 Pilotwerkstätten von Juni 2023 bis Mai 2024 praktisch erprobt und weiterentwickelt.

 

  Verteilung Piloten


Herausforderungen und Hemmnisse in der Umsetzung

Im Verlauf der Pilotierung zeigten sich auch strukturelle und organisatorische Hürden:

1. Personelle und zeitliche Ressourcen

  • Fachkräfte standen häufig unter Produktionsdruck 

  • Bildungsangebote mussten zusätzlich zum Regelbetrieb organisiert werden 

  • fehlende Zeitfenster für kontinuierliche Weiterbildung 

2. Strukturelle Rahmenbedingungen

  • Weiterbildung im Arbeitsbereich war vielerorts nicht fest in Abläufen verankert 

  • es fehlten verbindliche Organisationsstrukturen und Zuständigkeiten 

3. Qualifizierung und Einarbeitung

  • Fachkräfte gaben in der Befragung an, dass sie selbst Weiterbildungsbedarf benötigen, um Bildungsinhalte sicher und methodisch fundiert vermitteln zu können 

  • Bedarf an zusätzlicher Qualifizierung für neue didaktische und digitale Lernformate

4. Technische Voraussetzungen

  • insbesondere digitale Lernformate erforderten zusätzliche Ausstattung (Endgeräte, Internetzugang, Infrastruktur) 

  • Unterschiede zwischen den Werkstätten erschwerten eine einheitliche Umsetzung 

5. Systemische Spannungsfelder

  • Zielkonflikt zwischen Produktionsanforderungen und Bildungszeit 

  • fehlende einheitliche Anerkennungs- und Zertifizierungsstrukturen 

Trotz dieser Herausforderungen wurde die Umsetzung insgesamt als machbar und wirksam bewertet.

In der abschließenden Phase wurden die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet und die Wirkung der Bildungsangebote untersucht.

 

Die Evaluation zeigte:

  • eine sehr hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden 

  • den klaren Wunsch nach Fortführung der Bildungsangebote 

  • positive Effekte auf Motivation, Selbstwirksamkeit und Arbeitsqualität 

  • eine breite Akzeptanz sowohl bei Beschäftigten als auch bei Fachkräften 

Insgesamt bestätigte sich, dass kontinuierliche Weiterbildung im Arbeitsbereich einen wichtigen Beitrag zur beruflichen und persönlichen Entwicklung leistet.


Zentrale Erkenntnisse aus der Umsetzung

Die wissenschaftliche Begleitung und die Pilotierung zeigten deutlich:

  • Der Bedarf an beruflicher und persönlicher Weiterbildung im Arbeitsbereich ist sehr hoch 

  • Beschäftigte und Fachkräfte wünschen sich strukturierte, verständliche und wiederholbare Lernangebote 

  • Besonders erfolgreich waren modulare und digitale Lernformate 

  • Weiterbildung wirkt sich positiv aus auf: 

    • Motivation und Selbstvertrauen der Beschäftigten 

    • Arbeitsqualität und persönliche Entwicklung 

    • Teamprozesse in den Werkstätten 


Ausblick

Auf Basis der Ergebnisse wurden zentrale Impulse für die Weiterentwicklung beruflicher Bildung im Arbeitsbereich gesetzt. Darauf aufbauend werden die Erkenntnisse in zukünftige Entwicklungsprozesse überführt – insbesondere im Kontext von „Empowerment durch Bildung“, das die Selbstbestimmung, Qualifizierung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung weiter stärkt.

 

Ansprechpartner:

Frau Marie Jonaczyk

 

Kooperationspartner des Projekts ist die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Sachsen 

 Liga 

 

Das Projekt wurde gefördert durch den Freistaat Sachsen.

 

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